Jahresbericht des Präsidenten für das Jahr2010
Wir begehen das 6. Jahr unseres Bestehens des Schweizervereins Baltikum. Einige Mitglieder haben sich zu einer Stammkundschaft gemausert, leider kennen auch einige unserer Mitglieder den Verein nur aus den Informationen die sie mindestens einmal jährlich erhalten. Vielleicht mag dies ein Erscheinen der heutigen Zeit sein, vielleicht ist die Triebfeder, die einst zum übersprudelnden Beitritt gedient hatte am abklingen. Vielleicht ist aber auch der Zeitfaktor ein grosses Hinderniss all die uns zur Verfügung stehenden Aktivitäten zu benutzen oder zu besuchen. Und dennoch, allein die kleine Besucherschar die jeweils an den Versammlungen oder am nun sogenannten Schweizertag ihre aktive Betätigung mit einem Besuch kund tun, zeigt, dass es sich lohnt, im Baltikum auch für wenige Mitlandsleute etwas zu tun, damit sie sich ein bisschen „zu Hause" wie in der Schweiz fühlen. Es braucht ja nicht viel, es genügt einen monatlichen Treff, eine Weihnachtsfeier oder was für uns besonders wichtig ist, den 1. August, unser Nationalfeiertag zu feiern. Eine grössere Veranstaltungs-expansion lässt unser Verein mit den drei Schweizerkolonien Litauen, Lettland und Estland ja auch nicht zu. So kann doch erwähnt werden, dass im vergangenen Jahr in diesen drei Ländern die Schweizerinnen und Schweizer sich immer wieder gefunden haben. Der erste Präsident des Schweizervereins Riga (1874), R. Caviezel, hat in seinem Jahresbericht vom 31. Januar 1876 folgendes gesagt:
....Soll aber der Verein wirklich seinen Zweck erfüllen, so dass ein jeder einen Gewinn für sein Herz daraus zieht, so darf er nicht bloss darin bestehen, sondern der Verein will eben dem Landsmann in der Fremde, wenn auch nicht das Vaterland ersetzen, so doch jedem nach besten Kräften ein „Heim" und eine Stütze bieten in Freud und Leid durch gegenseitiges Näherführen der Mitglieder...........
Sind das nicht Worte die noch heute gelten sollten? Das Grundprinzip wurde damals schon erkannt, nur, wir, wir Mitglieder müssen es erneuern und weiterführen. Natürlich gab es auch damals solche, die nur reklamierten, stänkerten und der Führung nichts Gutes angedeihen liessen. Dies ist auch heute noch so, nicht nur in unseren Gefilden,vermehrt von Mitgliedern, die die Vereine noch nie besucht haben. Es spielt doch keine Rolle, ob jemand in Litauen, Lettland oder in Estland lebt, es macht auch keinen Unterschied, ob unsere Landsleute im Süden oder im Norden, im Osten oder Westen unseres Planeten leben. Wichtig ist der Zusammenhalt, damit wir alle gemeinsam bestehen können. Es darf auch nicht sein, dass sich der Erfolgreiche im Beruf über den weniger oder gar nicht erfolgreichen stellt. Für ein paar Stunden des Zusammenseins sollte ersichtlich sein, dass wir uns alle als verständnisvolle Schweizer ausweisen können.
Unser Verein war auch im vergangenen Jahr nicht untätig und hat im Rahmen seiner Möglichkeiten auf verschiedenen Ebenen Tätigkeiten ausgeführt. Die letzte Generalversammlung im „Lauma Dabas Park" in Lettland, die zum ersten Male in einen „Schweizertag" integriert worden ist, war von herrlichem Wetter umrahmt und verlief in einem gemütlichen Teil. Die Genehmigung der Statutenrevision wird dem Verein doch einige Möglichkeiten bieten, die Mitgliedschaft und die Administration besonders die Protokollführung weiter auszulegen. Als Protokollführer(in) muss nun künftig ein anwesendes Mitglied aus der Versammlung vorgeschlagen werden. Die Sektion Estland, unter der bewährten Führung des Vizepräsidenten Fred Hänni, organisierte jeden 2. Donnerstag einen Stammtisch. Ebenso in die Bresche warf sich Max Hämmerli, der in seinem Lokal „Rest. Hämmerli" einen deutschsprachigen Stammtisch mit Kulturabend organisierte. Bei diesen Tätigkeiten gab und gibt es nicht viel zu ernten. Man muss sich aber im Klaren sein, ohne solche uneigennützigen Versanstaltungen würde ein Stück deutschsprachige Kultur oder schweizerische Geselligkeit sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Daher geht der Aufruf an alle Mitglieder; belohnt doch mit eurem Besuch solche Veranstaltungen, denn sie sind der Garant für das Fortbestehen der eigenen Kultur. Der 1. August, unser Nationalfeiertag, war in allen drei Sektionen unterschiedlich durchgeführt worden. Die Kolonie Litauen betätigte sich zusammen an der Feier mit Lettland in der Schweizerbotschaft in Riga, zu welcher unsere Botschafterin Frau Gabriela Nützi Sulpicio mit ihrem Ehegatten geladen hatten. Für diese Beherbergung, für die kulinarischen Genüsse und für die freundliche Aufnahme sei unser aller grosser Dank an das Gastgeber-Ehepaar. Das lettische Gesangsensembel „Morgenrot" umrahmte mit Deutschsprachigen- und Schweizermelodien und Gesängen den Festrahmen. Ganz besonders und auch mit einem herzlichen Dank sei die Attraktion des Tages erwähnt. Unser Mitglied und Pferdefreund Hans-Peter Pletscher überraschte die Anwesenden mit zwei seiner Pferde, mit denen unter seiner sicheren Führung ein kleiner „Ausritt" gemacht werden durfte. Der Anhörung der Ansprache unserer Bundespräsidentin Doris Leuthard, die ihre Rede an die Kolonien der Auslandschweizer in die ganze Welt sandte, folgte der Gesang der Schweizernationalhymne. Wenn man sich an den Abgesang der hiesigen, also baltischen Nationalhymnen in unserer Regionen vor Augen hält, fehlt unserem Gesang die Inbrunst, das Feuer und vielleicht stört auch ein bisschen die Ungelenkigkeit, uns in der Fremde vor andern Leuten im Gesang zu positieren. Vielleicht liegts aber auch an der nicht gewohnten Melodie, von den Worten ganz zu schweigen. Ein Phänomen, welches auch in unserer Heimat anzutreffen ist. Auf Einladung des Deutschen Vereins mit Michael Gallmeister, der als Gast an der letzten Generalversammlung anwesend war, besuchte eine Delegation unseres Vereins mit Niklaus Huser, Hans-Peter Pletscher mit seiner Gattin Iveta, wie auch der Präsident mit seiner Gattin Zane Rozenberga, am 24. September 2010 das Oktoberfest in Ventspils. Es war sehr interessant und vorallem im Fest-Zelt sehr laut, gab aber doch die Möglichkeit, den Schweizerverein mit der Verteilung von durch die Schweizerbotschaft abgegebenen Souvenirs bekannt zu machen. Zane und Iveta verteilten emsig, wie Bienchen, die Souvenire und fanden dankbare Abnehmer. Ihnen sei für ihren Einsatz recht herzlich gedankt. Es folgt nun die kalte Jahreszeit, der Klausabend stand im Kalender. Litauen hatte seinen Klausabend bei Max in seinem Restaurant gefeiert. Estland führte den Klausnachmittag im familiären Rahmen in Tallin durch und die Kolonie Lettland war bei Hans-Peter Pletscher mit 14 Anwesenden in Sême (Tukums) zu Gast. Ihnen allen sei der Dank des Vereins gewiss. Auf den 1. Januar 2011 wurde Bruno Kaspar zum Schweizerischen Honorar Generalkonsul in Litauen gewählt. Wir gratulieren ihm und freuen uns. Bei seiner Tätigkeit wünschen wir ihm recht viel Erfolg.
So ging das Jahr 2010 zu Ende. Zurückblickend fünf Jahre Schweizerverein Baltikum, kann doch gesagt werden; es sind kleine Schritte, die uns immer vorwärts bewegen. Wir alle sind nun aufgerufen, zusammen unser Leben im Verein zu gestalten. Wir müssen klar sehen, wenn wir im Baltikum so leben wollen, wie wir es uns vorstellen, dann bedarf es gegenseitige Hilfe, Unterstützung, Geselligkeit und Zuversicht. Nur so kann Zufriedenheit im Verein erreicht werden. Alleine mit der Entrichtung eines Jahresbeitrages ist es nicht getan, er ist wichtig, ja, sogar sehr wichtig. Aber ein Verein ist wie ein menschlicher Körper; der Kopf ist die Führung, die Organe sind die Mitglieder und was alles zu einem gesunden Leben in einem Körper zusammen hält, ist die Seele. Und diese Seele gilt es immer wieder einzuhauchen. In diesem Sinne, alles Liebe und alles Gute.
Erich J. Grübel, Präsident
20.04.2011